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Kittlitz - Nostitz

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Angedacht

Liebe Gemeindemitglieder, Liebe Leser

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben.                                                                                  (Joh,10,11f.)

 

in den vergangenen Wochen konnte man beobachten, wie Schafe auf frischen grünen Wiesen standen und weideten. Und mitten darunter - kleine Lämmer. Lämmer, so friedlich und arglos sie über die Wiesen springen, sind ein schö-nes Symbol. Und tatsächlich sieht man auf vielen frühchristlichen Abbild-ungen Christus als guten Hirten, der auf seinen Schultern ein Lamm trägt.

Wie schön und beruhigend ist dieses Bild des Hirten, der seine Herde im Blick hat. Er kennt seine Schafe und sie hören seine Stimme. Eine merkwürdig vertraute Beziehung herrscht zwischen beiden. Dieses Bild ist beeindruckend. Denn die Schafe brauchen nicht mehr als ein gutes Gehör. Sie sollen in Ruf- und Reichweite ihres Herrn bleiben. Sollen IHM folgen und nicht einem anderen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger haben die Schafe zu tun. Das ist ihre einzige Aufgabe!

Und der Hirt? - Kennt seine Schafe! Besser als ein anderer kennt Jesus jedes einzelne, kennt seine Stärken und Schwächen. Und in dem er uns, seine Schafe kennt, versteht er uns. Überall dort, wo Menschen sich mit Unver-ständnis begegnen oder sich sogar selbst unverständlich bleiben, da versteht uns Jesus. Und weil das so ist, hat er Verständnis für uns. Wir dürfen, wenn wir unseren Herrn und Hirten Jesus hören, auf sein Verständnis hoffen. Was für eine schöne Entdeckung!

Was wäre da sinnvoller, als dem zu folgen, der immer Verständnis hat und helfen will und mittragen und an frisches Wasser führen? Wer Jesus folgt, dem schenkt er ewiges Leben. Und wie das aussieht, hat der Dichter Huub Osterhuis einmal in einer Neuverdichtung des 23. Pslams ausgedrückt:

Wärst du mein Hirte, nichts würde mir fehlen. Führ mich zu blühenden Weiden, lass mich lagern an strömenden Wassern, dass meine Seele zu Atem kommt, dass ich die rechten Pfade wieder gehen kann, dir nach. Du, mein Hirte? Nichts würde mir fehlen. Muss ich in den Abgrund, die Todesschlucht, dann packt mich Angst - bist du bei mir, werde ich nicht sterben vor Angst. Du hast den Tisch schon gedeckt, meine Spötter wissen nicht, was sie sehen: dass du meine Füße wäschst, sie salbst mit Balsam, mir einschenkst. Trink nur, sagst du. Nichts wird mir fehlen. Lass es so bleiben, dieses Glück, diese Gnade, all meine Lebenstage. Dass ich bis ans Ende meiner Jahre wohnen werde in deinem Haus. Du, mein Hirte, nichts wird mir fehlen.

 

Bleiben Sie behütet! Ihr Pfarrer Friedemann Bublitz

Johannistag

Zwischen Johannisfeuer und Friedhofsandacht – gelebte Traditionen in der Oberlausitz

Zwischen Johannisfeuer und Friedhofsandacht – gelebte Traditionen in der Oberlausitz

Der Johannistag am 24. Juni gehört in der Oberlausitz zu jenen Festzeiten, in denen sich christlicher Glaube, Naturerfahrung und regionales Brauchtum auf besondere Weise berühren. Gefeiert wird die Geburt Johannes des Täufers, jenes Propheten, der auf Christus hingewiesen hat wie kaum ein anderer. Sein Wort „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ verbindet sich auf eindrucksvolle Weise mit der Zeit des Jahres: Nach der Sommersonnenwende werden die Tage wieder kürzer. Das Licht nimmt ab – und weist doch auf das wahre Licht hin, auf Christus selbst.

Gerade in der Oberlausitz haben sich rund um Johanni alte Bräuche erstaunlich lebendig erhalten. Vielerorts wurden Johannis- oder Sonnwendfeuer entzündet – oft auf Anhöhen, weithin sichtbar über die Dörfer hinweg. Ursprünglich verband sich damit die Hoffnung auf Schutz für Mensch, Vieh und Ernte. Die Kirche deutete das Feuer später christlich: als Zeichen für Christus und für Johannes den Täufer, der von dem kündete, der „mit Geist und Feuer“ taufen werde.

Besonders oberlausitzisch ist der Brauch der brennenden Rutenbesen. Dabei schwang die Dorfjugend angezündete Besen aus Birkenreisig durch die Sommernacht. Ein Besen, der lange brannte, galt als Zeichen dafür, dass sein Geber großzügig gewesen war. Solche Bräuche erzählen von einer bäuerlichen Welt, in der Gemeinschaft und gegenseitige Achtung sichtbar gefeiert wurden.

Auch Kräuter spielten eine wichtige Rolle. In der Johannisnacht sammelte man Johanniskraut, Beifuß und andere Heilpflanzen. Viele Menschen glaubten, dass Kräuter um Johanni eine besondere Kraft besitzen. Man band Johannissträuße oder flocht Kränze, die über Türen aufgehängt wurden – als Zeichen des Segens und der Bewahrung. Diese Verbindung von Glauben und Natur prägt unsere Heimat bis heute. 
Hinzu kommt ein Brauch, der in vielen evangelischen Gemeinden Sachsens bis heute gepflegt wird: Johannisandachten auf dem Friedhof. Dort versammeln sich Menschen an diesem Tag oft unter freiem Himmel zwischen alten Grabstätten und blühenden Sommerblumen. Der Johannistag erinnert dort nicht nur an Johannes den Täufer, sondern auch an die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens. Mitten in der hellsten Zeit des Jahres wird spürbar, dass alles Irdische seine Zeit hat. Zugleich steht über den Friedhöfen die Hoffnung des Evangeliums: dass Gottes Licht stärker ist als Tod und Dunkelheit. Deshalb werden Gräber vielerorts mit Johannisblumen geschmückt, manchmal erklingen Posaunen und es wird natürlich gesungen. Der Friedhof wird an Johanni nicht allein als Ort der Trauer verstanden, sondern auch als Ort der Erinnerung, der Gemeinschaft und der christlichen Hoffnung auf Auferstehung. Darin zeigt sich unsere Frömmigkeit: bodenständig, naturverbunden und zugleich tief vom Vertrauen auf Gottes Treue getragen.

Vielleicht liegt gerade darin die bleibende Schönheit des Johannistages: dass er uns daran erinnert, wie eng Gottes Schöpfung und menschliches Leben zusammengehören. Wenn wir am Johannistag fröhlich beim Johanniscafé zusammenkommen und alte Lieder erklingen, dann lebt etwas auf von jener Hoffnung, die Johannes verkündet hat – dass Gottes Licht mitten unter uns leuchtet. (Sabine Bublitz)